16063-01 Berliner Zeitung Karin Schmidl – Unterschriften gegen die Sanierung des Fraenkelufer: Anwohner wollen das Ufer an der Admiralbrücke retten

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10.02.2016

Unterschriften gegen die Sanierung des Fraenkelufer: Anwohner wollen das Ufer an der Admiralbrücke retten

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Das Fraenkelufer schließt an die Admiralsbrücke an.  Foto: imago stock&people

Das Fraenkelufer in Kreuzberg soll saniert werden. Doch das Bezirksamt hat die Bauarbeiten auf Eis gelegt, weil eine Anwohnerinitiative Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammelt, mit dem die geplante Sanierung gestoppt werden soll.

Im Hintergrund wühlen Bagger im Erdreich, aus dem Uferbereich am Landwehrkanal gegenüber dem Urban-Krankenhaus in Kreuzberg holen sie riesige Steinbrocken und verrottete Baumwurzeln. Die Ufersanierung ist dort seit einigen Tagen in vollem Gange. Zwischen Baerwaldbrücke und Böcklerpark werden derzeit Bäume und Büsche beschnitten, hinter dem hohen Bauzaun setzen Bauarbeiter die ersten Pfähle für den neuen Zaun in vorbereitete Löcher.

Eigentlich sollte es östlich davon demnächst mit dem zweiten Bauabschnitt weitergehen. Doch die Arbeiten hat das Bezirksamt auf Eis gelegt – weil eine Anwohnerinitiative Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammelt, mit dem die geplante Sanierung zwischen Erkelenzdamm und Admiralbrücke gestoppt werden soll.

Acht Meter breite Promenade

„Wir sind gegen die brachiale Sanierung, die der Bezirk hier durchziehen will“, sagt Gisela Bosse. Die 58-Jährige lebt seit 34 Jahren am Fraenkelufer. Sie wohnte schon dort, als der Architekt Hinrich Baller, der an der Straße mehrere Wohnhäuser gebaut hat, auch einige Uferbereiche gestaltete. Das war zur Internationalen Bauausstellung 1987, alles sei damals so angelegt worden, wie die Anwohner es wollten, sagt Bosse.

Drei von der Initiative: Gisela Bosse, Michael Westdickenberg und Cora Jacoby (v. l.) an der Schneckentreppe.  Foto: Christian Schulz

Die Anlage entlang des Ufers, die 1846 von Peter Joseph Lenné entworfen und 1987 von Baller neu gestaltet wurde, hat etwas Romantisches. Es gibt sanft geschwungene Wege, ein Wiese mit Hügeln und Tälern und eine Treppe, die sich kreisförmig in Richtung Ufer windet. Wiesental nennen die Anwohner ihre grüne Oase, die Treppe wird liebevoll als Schneckentreppe bezeichnet. „Der vom Bezirk geplante Umbau würde vieles davon kaputt machen“, sagt Gisela Bosse. Deshalb hat sie mit weiteren Anwohnern eine Bürgerinitiative gegründet, die derzeit knapp 20 aktive Mitglieder hat.

„Wir wollen eine behutsame Sanierung und Ergänzung des Bestehenden und keinen kompletten Umbau“, sagt der Soziologe und Historiker Michael Westdickenberg, der zur Initiative gehört. Die Planung des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg sieht unter anderem vor, dass schnurgerade Wege am Ufer entstehen, dass Rosenstöcke, Fliederbüsche und immergrüne Sträucher verschwinden und dass Granitplatten und Mosaikpflaster verlegt werden, wo ein Tennenweg verläuft. Autos sollen nicht mehr quer zur Straße, sondern längs parken, die Uferpromenade soll von fünfeinhalb auf acht Meter verbreitert und an mehreren Stellen mit Sitzmöbeln ausgestattet werden.

Ein besonderer Streitpunkt ist die kleine Schneckentreppe zum Ufer. Sie soll zwar erhalten bleiben, aber dicht daneben sollen eine weitere, breite Betontreppe sowie eine Rampe gebaut werden. „Die von Baller angelegte Treppe wird damit entwertet, die ganze Ästhetik dieser märchenhaften Gegenwelt, die der Architekt entworfen hat, geht so verloren“, sagt Westdickenberg.

Stadtrat: Kein Baum wird gefällt

Die Initiative kritisiert aber nicht nur. Sie hat Alternativ-Ideen vorgelegt. „Die Grünanlage, die über 20 Jahre vernachlässigt wurde, muss natürlich saniert werden“, sagt die Ärztin Cora Jacoby. Aber: bitte behutsam! Eine Reparatur des Tennenbelages und der Grünanlagen würden reichen und 333 000 Euro kosten. Der Bezirk plant mit 785 000 Euro. Das Geld kommt aus dem Landesprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz.

Der Baustadtrat Hans Panhoff verteidigt seine Pläne. „Wir müssen dort etwas tun, um den stark angestiegenen Fahrradverkehr zu bewältigen und um mobilitätseingeschränkten Menschen einen besseren Zugang zu schaffen“, sagt der Grünen-Politiker. Deshalb werde der Weg verbreitert. Nur mit Instandsetzungsarbeiten sei es nicht getan: „Das Geld aus dem Denkmal-Topf gibt es nur, wenn eine Wertverbesserung erfolgt.“ Das heißt, eine Instandsetzung, wie von der Initiative gefordert, müsste der Bezirk selbst bezahlen. Immerhin soll kein Baum gefällt werden, so der Grüne.

Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren müssen bis Juli 5 741 Unterschriften zusammenkommen. Dann muss sich das Bezirksparlament damit befassen. Bis dahin sollen die Arbeiten ruhen.

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