20384-01 Info Tagesspiegel (Frau Nele Jensch) zur Bergmannstraße iS Umgestaltung in eine Begegnungszone?

Donnerstag, 17. September 2020
Liebe Nachbarinnen, liebe Nachbarn,
im Pandemie-Trubel war die seit Jahren geplante (und immer auch mal wieder totgesagte) „Begegnungszone Bergmannstraße“ ein wenig in Vergessenheit geraten.  Nach mehr oder weniger erfolgreichen Testphasen mit Parklets und Farbmarkierungen auf der Straße kommt jetzt eine relativ klassische, aber viel effektivere Lösung: Die Bergmannstraße wird autofrei; Lieferverkehr soll nur noch zwischen 6 und 11 Uhr möglich sein. Das beschloss das Bezirksamt in seiner Sitzung am Dienstag; nächste Woche muss zwar noch die BVV offiziell ihr Okay geben, die Zustimmung gilt aber als sicher. Bereits ab November könnte der Bereich zwischen Nostitzstraße und Schleiermacherstraße für den motorisierten Individualverkehr gesperrt werden.Geplant ist keine „herkömmliche“ Fußgängerzone: Für den Radverkehr ist die Einrichtung eines zweispurigen Radweges geplant, der aus Sicherheitsgründen durch Grünstreifen vom Bereich der Fußgänger*innen getrennt sein soll. Zudem soll die Straße künftig klimaresilient gestaltet werden: Neue Bäume würden gepflanzt, Sitzgelegenheiten installiert, das Element Wasser spiele eine wichtige Rolle.„Es geht um Verdunstungskühle, angesichts der vergangenen heißen Sommer ist das wichtig“, sagte Felix Weisbrich, Leiter des Straßen- und Grünflächenamts, der das Projekt am Mittwoch gemeinsam mit Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) vorstellte. Regenwasser soll gefiltert werden – die Fußgängerzone erhält zum Beispiel einen wasserdurchlässigen Belag. Dadurch soll die Temperatur lokal geregelt und Lebensräume für Insekten geschaffen werden.  In einem Wettbewerb soll im nächsten Jahr ermittelt werden, wie die Fußgängerzone gestaltet wird. Kanäle wie in Freiburg könnten zum Beispiel die Straße durchziehen, aber auch andere Ideen sind denkbar.„Modellprojekt für den Kiez der Zukunft“. Auch die umliegenden Straßen sollen in den Genuss von mehr Ruhe und weniger Abgasen kommen: Sie werden mittels Einbahnstraßensystem und Tempo 20-Zonen verkehrsberuhigt. „Der Bergmannkiez wird unser Modellprojekt für den Kiez der Zukunft“, erklärt Herrmann in einer in einer Pressemitteilung des Bezirksamts. Ganz billig wird die Umgestaltung übrigens nicht: Das Gesamtprojekt kostet zwischen acht und elf Millionen Euro, finanziert zum großen Teil mit Fördergeldern. Wie viel der Bezirk beisteuern muss, kann Herrmann bisher nicht sagen. Der bisherige Umbau hat bereits 1,5 Millionen Euro gekostet.Umverteilung des öffentlichen Raums. Die Entscheidung des Bezirks beruht auf den Ergebnissen einer Bürgerbeteiligung im Rahmen der Testphase der Begegnungszone Bergmannstraße im Vorjahr.„Diejenigen, die in unseren Kiezen leben, haben größtenteils kein eigenes Auto“, erklärt Herrmann. Daher forderten sie „zu Recht“ eine Umgestaltung des öffentlichen Raumes. „Die Vormachtstellung des Autos und die Zeit der autogerechten Stadt sind vorbei“, so Herrmann. In jedem Fall ist der Bezirksbeschluss ein weiteres Zeichen dafür, wie die Verkehrswende – endlich – Fahrt aufnimmt. Das sehen natürlich auch Radaktivist*innen so; Gegenwind gibt es allerdings auch, vor allem von der CDU, die neuerdings Geschwindigkeitskontrollen für zu schnelle Radfahrer fordert und vor Umsatzeinbrüchen aufgrund des wegfallenden Verkehrs warnt.Informationen online und offline. Bürger*innen können sich ab heute (17.9.)  im ehemaligen Rathaus Kreuzberg (Yorckstraße 4-11) über die geplante Gestaltung des Kiezes sowie über die vorangegangene Bürger*innenbeteiligung informieren. Die Ausstellung „Zukunft Bergmannkiez – Öffentlicher Raum, Mobilität, Lebensqualität“ ist bis zum 2. Oktober montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr im ersten Obergeschoss zu sehen. Die Inhalte der Ausstellung sowie weitere Informationen geplanten Umgestaltung des Bergmannkiezes finden sich außerdem online auf berlin.de.Nele Jensch ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Offiziell wohnt sie zwar auf der Neuköllner Seite des Landwehrkanals, aber gefühlt ist die ja schon lange in Kreuzberg eingemeindet. Über Post freut sie sich auch unter nele.jensch@extern.tagesspiegel.de.
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